Manufaktur

Die Blüthner Manufaktur befindet sich 20 Autominuten vom historischen Leipziger Stadtkern entfernt im Gewerbegebiet Störmthal. Was sie ausmacht, ist nicht ihr Äusseres, sondern der Geist, der in ihrem Inneren weht. Der Betrieb wirkt wie eine Oase des Handwerks, in der stolze Berufsleute ihrem Tagewerk nachgehen. An einem Flügel wird mehr als ein Jahr lang gebaut. Andere Firmen hätten diese einzigartige Werkstatt wahrscheinlich längst zu einer herausgeputzten Marketing-Manufaktur umfunktioniert, um dort auswärtigen Besucherkarawanen zu zeigen, wie die sächsischen Klavierbauer arbeiten. Hier aber sind die Berufsleute in einem abgeschiedenen Betrieb voll und ganz auf die präzise Herstellung der Instrumente konzentriert. Wer das Glück hat, ihnen über die Schultern zu sehen, ist fasziniert von der Genauigkeit und Sorgfalt der Klavier- und Flügelbauer.

Handarbeit bis ins Detail

Fast alles wird von Grund auf bei Blüthner selbst produziert. Zum Beispiel die Saiten: Dominique Wolter spinnt an einer Drehbank konzentriert den Kupferdraht auf eine rotierende Stahlsaite auf. Die exakten Vorgaben der berechneten Saiten und Masse müssen gewissenhaft und genauestens eingehalten werden. Das Saitenspinnen ist für sich eine Kunst und hat viel mit Können, Gefühl und  Erfahrung zu tun. Der Rasten, der die rund 20 Tonnen Zugspannung der Saiten aufnehmen muss, wird aus verschiedenen sorgfältig selektionierten und gelagerten Hölzern in einer ausgeklügelten Konstruktion verleimt. Selbst die Hammerstiele, Birkenstäbchen, feiner als ein Bleistift, werden auf einer Hobelbank einzeln „abgeklungen“, bevor sie je nach Tonlage mit der Faserung in Schlagrichtung eingesetzt werden. Gut 500 Arbeitsstunden verteilt auf mehr als ein Jahr stecken in einem Flügel, bis er zu Intoneur Marco Behne kommt. Behne bearbeitet die aus gepresster Schafwolle gefertigten Hämmer, die die Saiten anschlagen, so lange mit feinen Nadelstichen, bis der Klang stimmt. „Zehn Jahre“, sagt Behne, „dauert es schon, bis man sich wirklich Klavierbauer nennen kann“. Noch immer muss jedes Blüthner-Piano am Schluss von einem Mitglied der Familie Blüthner abgenommen werden. Die Familie bürgt mit ihrer Unterschrift auf dem Resonanzboden für dessen Qualität.

Das Geheimnis: Der tonnenförmige Resonanzboden

Blüthner beschäftigt allein in Leipzig 250 Menschen. Mehr als neun von zehn Instrumenten werden exportiert: Rund ein Viertel der Jahresproduktion von rund 500 Flügeln und 300 Klavieren geht nach Asien, 20 Prozent nach Nordamerika, 30 Prozent in den europäischen Raum und das übrige Viertel in den Rest der Welt, namentlich den Mittleren Osten. Neben dem Flaggschiff Blüthner vertreibt sie auch eine Produktelinie unter der Marke Haessler und die grossteils im Ausland gefertigten Modelle der Marke Irmler für das untere Preissegment.

In der Werkstatt ist nichts von der Hektik der digitalen Welt zu spüren. „Sie funktioniert wie ein Uhrwerk, das stetig vor sich hintickt“, sagt Geschäftsführer Christian Blüthner. Dieses Uhrwerk ist das Reich seines Bruders, des Klavierbau-Meisters Knut Blüthner, der meist auf Wanderschaft im Betrieb anzutreffen ist. Rationalisierung ist für ihn kein Thema: „Mit Robotern baut man Geräte. Wir bauen Instrumente.“ Die Firma bildet ihr Personal in dreieinhalbjähriger Lehre selbst aus und baut voll und ganz auf dessen Kompetenz. „Ein Lehrling der zum ersten Mal eine Mechanik einbaut, benötigt dafür 14 Tage. Später, wenn er routiniert ist, braucht er noch zwölf Stunden“, sagt Knut Blüthner. Er ist es, der permanent an den Details der Konstruktion feilt und das Material bei den Zulieferern einkauft. Zum Beispiel die regelmässig gewachsenen Fichtenstämme für den Resonanzboden, die aus Bergwäldern stammen und vor der Verarbeitung fünf bis sechs Jahre gelagert werden müssen. Der Resonanzboden wird vollständig auf den Rasten aufgeleimt. Diese technische Besonderheit ist zusammen mit der leichten tonnenförmigen Wölbung mitverantwortlich für den besonderen „Blüthner-Klang“, der Musiker von Sergej Prokofjew bis Stevie Wonder zu glühenden Anhängern der Instrumente werden liess. Oft schreiben ihnen die Musiker menschliche Eigenschaften zu: „Blüthner-Flügel können wirklich singen, das Schönste, was man von einem Klavier sagen kann“, sagte der Dirigent und Komponist Wilhelm Furtwängler.

 

Familie Blüthner

Die Instrumente aus dem Leipziger Familienbetrieb Blüthner gehören seit 150 Jahren zu den besten der Welt. Und es gibt ein Merkmal, das sie von allen anderen grossen Namen der Branche unterscheidet: Nach wie vor ist die traditionsbewusste Julius Blüthner Pianofortefabrik GmbH ein lupenreiner inhabergeführter Familienbetrieb, in dem die Namensträger der erstklassigen Flügel und Klaviere persönlich mit ihrem Namen für die Qualität bürgen.

Ein deutsches Kulturgut

Die grossartige Tradition der Musik- und Kulturstadt Leipzig schwingt mit, wenn Geschäftsführer Dr. Christian Blüthner selbstbewusst sagt: „Wir sind verantwortlich für ein deutsches Kulturgut“. Er ist der wirtschaftliche Kopf des Unternehmens. Sein Bruder Knut Blüthner ist der technische Kopf: Er entwickelt die Instrumente ständig weiter und leitet die einzigartige Manufaktur. Sie ist und bleibt seit jeher das Herzstück der Firma. Der Qualität wird kompromisslos alles andere untergeordnet. „Die Wertschöpfung findet bei uns in der Werkstatt und nicht in der Marketing-Abteilung statt,“ sagt Dr. Christian Blüthner. Auch Seniorchef Ingbert Blüthner, der eine Stiftung für junge Musiktalente betreut, ist trotz seiner über 80 Jahre praktisch täglich im Betrieb anzutreffen.

GESCHICHTE+

Ein Stück Weltgeschichte

Die Geschichte der Julius Blüthner Pianoforte GmBh ist zugleich ein faszinierendes Stück Welt- und Kulturgeschichte: Berühmte Komponisten und Musiker gingen bis zu den Weltkriegen bei der Familie Blüthner ein und aus. Geschichten von achtspännigen Kutschen und rauschenden Empfängen im Leipziger Gewandhaus hallen als Echo einer grossen Vergangenheit nach. Die Firma war Hoflieferantin zahlreicher Fürsten- und Königshäuser auf dem Kontinent, vom Zaren bis zur englischen Königin. Vollständig zerstört im zweiten Weltkrieg Auf dem bisherigen Höhepunkt ihrer langen Firmengeschichte sorgte die Julius Blüthner Pianofortefabrik GmbH für weltweite Schlagzeilen.

Im Mai 1936 wurde während einem Atlantikflug des Luftschiffs Hindenburg erstmals ein Konzertabend aus mehreren hundert Metern Höhe im Radio übertragen – gespielt wurde er auf einem mit gelbem Pergament überzogenen, ultraleichten Aluminiumflügel. Als die Hindenburg ein Jahr später bei der Landung in Lakehurst in Flammen aufging, war der Aluminiumflügel bereits wieder als Besucherattraktion in Leipzig.

Sechs Jahre später wurde die damals grösste Klavierfabrik Europas, die einen ganzen Häuserblock in der Innenstadt umfasste, bei einem alliierten Bombenangriff vollständig zerstört. Die brennenden Flügel stürzten wie Fackeln durch die Stockwerke, als die Decken durchbrachen. Mit ihnen das weltberühmte Instrument aus der Hindenburg, das damit doch noch dem Feuer zum Opfer fiel. Es war der Tiefpunkt der Firmengeschichte. Nach dem Bombardement waren Gebäude und Lager vollständig zerstört.

Verstaatlicht in der DDR

Im zweiten Weltkrieg waren die Blüthners wegen ihrer Zusammenarbeit mit jüdischen Musikern in Ungnade gefallen. Bevor nach dem Krieg 1948 in Leipzig der Instrumentenbau wiederaufgenommen werden konnte, mussten die Trümmer weggeräumt und neue Räumlichkeiten gesucht werden. Die ersten Flügel wurden für Reparationszahlungen an die Sowjetunion oder für Tauschgeschäfte verwendet. Als Mitte der Fünfzigerjahre allen Widrigkeiten zum Trotz wieder ein respektables Werk aufgebaut war, erzwang der Staat 1958 die Umwandlung von Blüthner in eine Kommanditgesellschaft. Die Klavierbauer gehörten mit ihrem hohen Exportanteil zu den attraktivsten Devisenbeschaffern für Ostberlin.

Als Seniorchef Ingbert Blüthner 1966 die Leitung der Firma übernahm, war sie bereits weitgehend in die Planwirtschaft eingebunden. 1972 erfolgte unter Erich Honecker die vollständige Enteignung. Blüthner durfte „Leiter“ des volkseigenen Betriebs (VEB) Blüthner Pianos bleiben, nachdem er der Verstaatlichung zugestimmt hatte.

1989 begann die Wende mit den Montagsdemonstrationen vor der Leipziger Nikolaikirche – heute ein historischer Ort, den Besucherinnen und Besucher der Stadt nicht auslassen sollten. Nach der Wende musste sich die Firma innert kürzester Zeit auf die Marktwirtschaft umstellen. Das bedeutete zunächst einmal, dass sie die Hälfte der Belegschaft entlassen und sich einmal mehr völlig neu im Markt positionieren musste. Nur die Instrumente aus dem Haus Blüthner behielten konstant ihre weltberühmten Eigenschaften und ihre aussergewöhnliche Qualität. Alles andere rund herum war schon wieder im rasantem Wandel.

Einziges Familienunternehmen in der „Champions League“

Inzwischen floriert die Weltmarke Blüthner wieder. Die ganze Gruppe setzt jährlich rund 60 Millionen um, sagt Dr. Christian Blüthner, der eigentlich schon eine Laufbahn als Chirurg eingeschlagen hatte, um 1993 als Nachfolger seines Vaters in die Firma zurückzukehren. Die Firma ist schuldenfrei und gesund. Ausserhalb der Manufaktur ist Blüthner längst eine globalisierte Firma, die auch Digitalpianos für das oberste Qualitätssegment produziert. Fünf e-Pianos und zwei digitale Flügel umfasst das Sortiment, das mit hochwertiger Audiotechnik ausgestattet ist. Beim Ton machen die ostdeutschen Klavierbauer auch hier keine Kompromisse und setzen eine eigene Software ein. Eben erst lancierten sie zudem unter dem Label „e-volution“ hybride Instrumente, die sowohl analog als auch digital oder kombiniert gespielt werden können.

Künstler

Franz Liszt

"Auf zahlreicher meiner durch ganz Europa führenden Konzerte habe ich stets die Blüthner Instrumente als die Besten und Zuverlässigsten kennen gelernt."

Pjotr Iljitsch Tschaikowski

"Blüthner das ist Vollendung. Die Lyrik des Tones, der menschlichen Stimme gleichend, muss jede Komponisten inspirieren. Blüthner ist die Feder meines Schaffens."

Claude Debussy

"Ich möchte Ihnen mein Kompliment zum Ausdruck bringen für den vorzüglichen Eindruck, welchen ich von Ihrem neuen Blüthner Konzertflügel gewonnen habe. Sein Anschlag ist aussergewöhnlich und sein Ton ist von vollendeter Schönheit, dass ich nicht anders kann, als Ihnen enthusiastisch meine vollste Bewunderung für dieses Blüthner Instrument auszudrücken"

Sergei Rachmaninoff

"In das Exil nach Amerika begleiteten mich nur zwei Wesen von Bedeutung: meine Frau Natalja und mein kostbarer Blüthner."

Wilhelm Furtwängler

"Blüthner Flügel können wirklich singen, das Schönste, was man von einem Klavier sagen kann."

Artur Rubinstein

"Dieser Blüthner hatte den schönsten singenden Ton, den ich je gefunden habe. Dieses Klavier inspirierte mich. Ich glaube, ich habe nie im Leben besser gespielt... von solch einem Musizieren habe ich geträumt. Ich gestehe, mir standen Tränen in den Augen."

Sergej Prokofjew

"Mein Blüthner treibt mich täglich zum Komponieren und ist ein unersetzbarer, treuer Begleiter geworden."

Marlene Dietrich

"My new Blüthner pianos is even more fascinating than my beloved first one. It's wonderful sound is reaching the depths of my soul."

John Lennon - The Beatles

"...we have played on many terrible instruments. Today luckily we have the choice. Blüthner is our favourite."

Sir Andrew Lloyd Webber

Sir Andrew Lloyd Webber komponierte Musicals wie "Cats" oder "Das Phantom der Oper" auf seinem Blüthner-Flügel.

Stevie Wonder

"I've known Blüthner for many years and I love them. Their sound is incredible."

Martha Argerich

"Es war mir eine Freude; kein Konzert wie jedes andere. Ich muss sagen, dass es für mich ein ganz besonderes Konzerterlebnis war, auf den beiden wunderbaren Blüthner Flügeln zu spielen."

Mikhail Pletnev

"Nach zahlreichen Konzerten in den bedeutendsten Konzerthallen der Welt... bin ich mir sicher... Blüthner Flügel haben einen wunderbaren Klang. Ich bevorzuge Blüthner Flügel vor allen anderen Flügeln."

Alexander Paley

"An meinen lieben Blüthner mein Lieblingsflügel und mit Sicherheit ein Teil meines Lebens"

Konstantin Wecker

"Fulminant! Es gibt diesen typische Blüthner-Klang, den erkenne ich sofort wieder."

Joey Calderazzo

"This is the biggest honor in my career. I have never played a piano that has inspired me like Blüthner has."

Elena Bezprozvannykh

"Der Zufall wollte es, dass meine erste Begegnung mit einem Blüthner Konzertflügel in einer Musikschule in St. Petersburg stattfand. Als kleines zwölfjähriges Mädchen, debütierte ich als Pianistin und wurde sogleich von der Schönheit dieses Instrumentes völlg fasziniert. Für mich ist Blüthner uneingeschränkt der Beste ... bis heute!"

Sabine Lehmann

"Entwickelt von einem Genie, geschaffen durch goldene Hände, geschätzt von Künstlern auf der ganzen Welt und von mir geliebt. Instrumente aus dem Hause Blüthner sind einfach die Besten."

Media

160 Jahre Tradition oder
die Entstehung des goldenen Klangs.

Seit 1853 werden Blüthner-Instrumente ausschließlich in Leipzig hergestellt. Bis heute wacht die Familie in fünfter Generation über das Vermächtnis unseres Gründers, die besten Klaviere der Welt zu bauen. Wie er wirklich entsteht, der goldene Klang, sei auch hier nicht verraten. Aber einen Blick über unsere Schultern – gewähren wir gerne.